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Alt 06.04.2007, 16:37   #1
lanonna
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lanonna ist ein sehr geschätzer Menschlanonna ist ein sehr geschätzer Menschlanonna ist ein sehr geschätzer Menschlanonna ist ein sehr geschätzer Mensch
Tiramisu für Piccolina
Tiramisu für Piccolina


Ich liebe meine Katzen, und gemeinsam lieben wir Tiramisu.

Das bedeutet, dass ich nie allein in unserer doch recht großen Küche bin, wenn ich unser aller Lieblingsdessert zubereite. Beim ersten Ton meines Mixers, spätestens aber wenn ein Duft von Caffè, Vanille und San Marzano mich umgibt, scheint unsere Küche überfüllt. Wohin ich auch trete, eine der Katzen ist schon da!

An diesem Tag fühlte ich mich recht sicher. Es war strahlender Sonnenschein, und unsere hinreißende kohlpechrabenschwarze Katzendame Topolina hatte sich draußen den sonnigsten Platz auf dem Tisch unserer Gartengarnitur recht weit weg von der Terrasse ausgesucht für ihren Mittagsschlaf. Piccolina, eine niedliche grau gestromte freche kleine Kätzin schien verschwunden. Der mittlerweile leider verstorbene „Hausherr“ Jimmino, ein großer roter Kater, hatte sich längst mit seiner gleichfarbigen Freundin aus der Nachbarschaft abgesetzt.

Ich nutzte die Gelegenheit und bereitete alles vor, hätte fast vor Vergnügen ge-ungen, so sehr genoss ich die Bewegungsfreiheit in meiner Küche. Und fluchte leise, als ich im nächsten Moment ein ganz zartes „Miau“ vernahm und meine süße kleine Piccolina schmeichelnd an meinen Beinen spürte.

„Lass es sein, Maus“, mahnte ich und seufzte. „Erst kommt mein Tiramisu, und wenn du lieb bist, darfst du nachher die Schüssel auslecken!“

Damit gab sich Piccolina nicht zufrieden. Es dauerte ja auch noch viel zu lange, und es roch doch auch schon viel zu gut!

Mit dem kleinen bezaubernden Störenfried an meinen Beinen dauerte es natürlich viel länger, bis das Tiramisu fertig war. Ich scheuchte Piccolina aus der Küche, damit ich mein schönes Dessert wenigstens heil in den Keller und dort in den Kühlschrank bekam, ehe der Rest der Katzenbande eintraf und sich unerlaubt darüber hermachte.

Anschließend räumte ich die Küche auf und gab dem Drängen der immer wilder herumspringenden Piccolina nach und stellte die Schüssel mit den Cremeresten auf den Boden.

War das ein Fest für Fräulein Miezekatze! Sie schnurrte und schmatzte und konnte gar nicht genug bekommen! Ach ja, und ich gönnte ihr das Vergnügen, bis...

...bis mir einfiel, dass noch viel zu viel Creme übrig geblieben war für eine kleine Katze, die eigentlich nichts Süße und noch weniger Alkohol bekommen sollte. Rasch nahm ich die Schüssel und stellte sie ins Spülbecken.

„Mau“, machte Piccolina, und es klang sehr jämmerlich.

Es ging mir durch und durch, und mein schlechtes Gewissen meldete sich.

„Mau“, klagte Piccolina, und ich entdeckte, dass ihr Blick über Kreuz ging. Sie schielte!

Im nächsten Moment stellte ich fest, dass sie ihre Hinterbeine x-förmig nach außen in den Boden stemmte. Gleichzeitig hatte sie Probleme, die Vorderpfoten zu benutzen. Sie setzte die Pfötchen über kreuz und schlich jammernd zur Küchentür.

„Um Himmels willen, Picki, bleib hier! Du bist ja besoffen“, rief ich und versuchte, ihr den Weg nach draußen zu versperren. Es gelang mir nicht.

Mit einem heldenhaften Aufschrei stürmte sie stolpernd aus dem Haus und ver-schwand unter dem nächsten Busch.

Ich war entsetzt, schockiert, voller Angst und mit schlechtem gewissen belastet. Wenn meiner süßen Maus nur nichts passierte! In dem Zustand!

Aber alle Selbstvorwürfe halfen nichts. Piccolina war weg, Topolina sonnte sich noch immer im hinteren Garten, Jimmino war noch mit seiner „Verlobten“ unterwegs. Mein Mann arbeitete, also konnte und musste ich mich auch wieder mit meiner Arbeit befassen.

Ich setzte mich mit meinem Manuskript auf die Terrasse und begann zu lesen, zu ändern, zu schreiben. In der nächsten Stunde vertiefte ich mich so sehr in die Geschichte, dass ich alles um mich herum vergaß. Das Manuskript sollte bis zum Abend in druckreifem Zustand sein.

Auf einmal sprang Piccolina maunzend auf die Bank und kuschelte sich an mich. Das Kätzchen grummelte, schnaufte, schnurrte – und schnarchte.

„Na, dann schlaf du mal deinen Rausch aus“, flüsterte ich zufrieden darüber, dass sie heil wieder bei mir war, und kraulte das weiche Fell.

Regelrecht beflügelt widmete ich mich wieder meinem Romanmanuskript und hatte meinen Tagesplan fast erfüllt, als mein Mann aus dem Büro kam.

„Endlich Feierabend“, meinte er nach der Begrüßung. „Und für dich wird es auch Zeit, dass du Schluss machst für heute.“

„Noch fünf Minuten, dann trinken wir Kaffee“, gab ich zurück. „Ich habe frisches Tiramisu für dich!“

Er hörte gar nicht richtig hin, starrte auf die Wiese und schüttelte den Kopf. „Du, schau mal, da liegt ein Fisch!“

Tatsächlich lag da ein dicker roter Goldfisch in den grünen Halmen. Ich schüttelte mich entsetzt.

„Tu ihn weg! Den hat bestimmt Piccolina gebracht!“

Mein Mann holte aus der Küche ein paar Blatt Küchenpapier und hob den Goldfisch auf. Gebannt sah ich ihm zu und schrie im nächsten Moment auf.

„O Gott, der lebt! In den Teich mit ihm!“

Mein Mann beeilte sich, den zappelnde Fisch in den Teich zu bringen. Piccolina und ich folgten den beiden auf dem Fuße. Topolina machte einen Buckel und stand erwartungsvoll auf dem Tisch mit Blick zum Teich. Und dann starrten wir alle auf den große roten Fisch, der schnellstmöglich abtauchte.

Gerettet!

Als wir dann mit Kaffee und Tiramisu, mit Piccolina und Topolina auf der Terrasse saßen, erzählte ich meinem Mann von Pickis Abenteuer.

„Ach, deshalb hat sie auch kein Interesse an unseren Tellern“, meinte er lachend. „Ich werde heute nur von Topi bedrängt!“

„Klar, Piccolina war besoffen unterwegs. Ich liege wohl richtig, dass Fisch gegen Suff hilft. Also war sie irgendwo auf Fischfang. Vielleicht hat sie den Goldfisch dop-pelt gesehen und zufällig den richtigen gefischt!“

Wir haben uns noch lange darüber amüsiert. Topolina durfte die Teller ablecken, während Piccolina sich von uns trösten ließ. Unser Jimmino bekam von alledem nichts mit und erschien erst zum völlig normalen Katzenabendessen.

Piccolina liebt immer noch mein Tiramisu – aber in Maßen.

Und der Fisch` Wir nannten ihn Peterle, und er überlebte einen ganzen Winter unter der Eisschicht unseres Teiches. Erst zum Herbst im nächsten Jahr vermissten wir ihn. Vermutlich war er inzwischen genug gemästet, um unseren Katzen, die ja nie Fisch bekommen, als Sonntagsmenü zu dienen...

Ehrlich, ich bleibe lieber beim Tiramisu...

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Herzlichst

Lanonna
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Se tu cerchi un paradiso - il paradiso è questo qua... (aus: Scugnizza von Mario Costa)





[schild="smilie=4+fontcolor=00008B+shadowcolor=0000 FF+shieldshadow=1"]Ciao, amici[/schild]
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Alt 06.04.2007, 17:01   #2
robo:t
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robo:t ist ein sehr geschätzer Menschrobo:t ist ein sehr geschätzer Menschrobo:t ist ein sehr geschätzer Menschrobo:t ist ein sehr geschätzer Mensch
AW: Tiramisu für Piccolina
Ein schönes Leseerlebnis ... besonders wenn man selbst ein "Dosenöffner" ist und den Charakter der Schmusetiger zu schätzen weiss. Hoffentlich dürfen wir uns demnächst wieder über eine Kurzgeschichte aus deiner Feder freuen.

Gruss
Rolf
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Alt 06.04.2007, 17:27   #3
Venus
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Venus ist ein LichtblickVenus ist ein LichtblickVenus ist ein LichtblickVenus ist ein LichtblickVenus ist ein LichtblickVenus ist ein Lichtblick
AW: Tiramisu für Piccolina
Eine zauberhafte Geschichte,erinnert mich an die Zeit als meine Katzen noch lebten.Ja ,ich bin auch ein Katzenfreak,aber aus Zeitmangel habe ich zur Zeit keine Katzen mehr.

LG Venus
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Es gibt für alles eine Lösung,
nur Wunder dauern etwas länger.
Und geht nicht, gibt´s nicht.


(Weiß'te bescheid Schätzelein )

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