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Alt 06.04.2007, 16:59   #1
lanonna
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Das Mausgeschenk
Das Mausgeschenk – ein abendfüllendes Programm


Ein harter langer Arbeitstag war zu Ende. Mein Mann und ich freuten uns auf einen gemütlichen Fernsehabend, den ersten seit sehr langer Zeit. Nach dem Abendessen streckten wir uns auf der Couch aus – jeder auf der seinen – und schalteten den Fernseher ein.

Eine Weile machte es sich Topolina, unsere bildschöne kohlpechrabenschwarze Katzendame, auf dem Bauch meines Mannes gemütlich. Und es dauerte auch nicht lange, da schliefen beide ein.

Schnurren und Schnarchen taten ein übriges, sie lullten mich ein, und dann war auch ich im Land der seligsüßen Träume.

Wie lange wir geschlafen haben, kann ich nicht mehr sagen, und was mich weckte, weiß ich auch nicht wirklich.

Ich öffnete die Augen und sah im Halbschlaf ein Knäuel auf dem Boden liegen. Und in eben diesem Halbschlaf griff ich danach.

Und das Knäuel sprang davon!

Es lebte, hatte Knopfaugen und einen entzückenden Schwanz. Und ich schrie erschrocken auf.

Mein Mann erwachte, Topolina machte einen Riesensatz von seinem Bauch, und meine bessere Hälfte sprang wie eine Karikatur seiner selbst „mit allen Vieren gleichzeitig“ auf. Fasziniert starrte ich ihn an, um dann sofort unseren kleinen grauen Hausgast, den ungebetenen, zu suchen.

„Was ist los?“ fragte er.

„Hier ist 'ne Maus!“

„Lebendig oder tot?“

Ich musste lachen, fand die Situation ungeheuer komisch. „Sie lebt!“

„Ich fange sie schon“, wollte er mich beruhigen.

Was nun geschah, kann man kaum mit Worten beschreiben. Mein Mann ging auf Mauswildjagd! Piccolina, unsere süße kleine Mietze, die wahrscheinlich das Geschenk hereingetragen hatte, vorsichtig natürlich, damit ihm nichts geschah, saß nun wie eine kleine Sphinx an der Terrassentür und sah dem höllischen Treiben des Hausherrn zu. Topolina hatte sich in eine andere Ecke verzogen und schielte vorsichtig unterm Tisch durch.

Es dauerte nicht lange, und unser Wohnzimmer sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Und das Mäuschen flitzte immer noch!

Die Katzen hatten sich offensichtlich abgesprochen. Sie waren uns keine Hilfe. War doch schön, wie die Menschen mit dem liebevoll ausgewählten Geschenk spielten! Sie hatten beschlossen, dass die Maus uns ganz alleine gehören sollte.

„Ich habe eine Idee“, sagte ich und erklärte meinem Mann meine alte Spinnen-Fang-Technik. Man stellt ein Glas mit der Öffnung nach unten über die Spinne, schiebt eine Postkarte unter und wartet, bis die Spinne im Glas ist. Dann kann man sie mit der Karte als Deckel raustragen und in die Freiheit entlassen. „Für die Maus nehmen wir einen Schuhkarton und als Karte schieben wir einen Pappdeckel unter.“

Mein Mann zweifelte am Nutzen meines Vorschlags, nahm dann aber doch den Schuhkarton entgegen. Doch anstatt ihn über das armselige Mäuschen zu stülpen, übte er sich im Zielwerfen – das Ziel traf er jedoch nie. Die Maus war schneller.

Dann entdeckte unser kleiner verschreckter Gast die offene Wohnzimmertür und rettete sich mit einem Verzweiflungslauf in den Flur.

Das war der Punkt, an dem ich wild wurde. Mit Zeitungen bewaffnet rannte ich hinterher, schloss in letzter Sekunde die Küchentür und dichtete den Türschlitz mit der Zeitung ab.

„Nicht in meine Küche!“ befahl ich der Maus, die sich hinter dem Katzenbaum versteckte, was meine Katzendamen nicht im mindesten interessierte.

Als Mäuslein auf die Treppe in die erste Etage zuschoss, wedelte ich mit der restlichen Zeitung. „Du bleibst unten!“

Unser abendfüllendes Sportprogramm weitete sich aus. Ich schlug meinem Mann vor, doch einfach die Haustür zu öffnen, was er umgehend tat.

„O Gott, du klemmst sie ein!“ rief ich entsetzt, denn Mäuslein hatte sich hinter die Tür verkrochen.

Also schloss mein Mann die Tür wieder und fauchte die Katzen an. Sie sollten endlich mal das tun, wofür sie da waren: Mäuse jagen. Aber unser Jagdspiel war unseren Haustigern neu, und sie fanden es so spannend, dass sie begeistert zusahen, aber nicht eingriffen.

Dieses Hin und Her dauerte noch eine Weile. Mäuslein war längst müde, mein Mann außer Atem und ich vom Schreien heiser.

Da geschah es.

Auch die kleine Maus brauchte dringend eine Pause, suchte einen Ort der Erholung, der Sicherheit, der Wärme, der Ruhe... und sie fand ihn auch. Mit einem mutigen Sprung landete sie auf dem Fuß meines Mannes und hangelte sich wildbegeistert an seinem Bein, genauer: an seinem nackten Bein in seiner Hose hoch bis in die Kniekehle.

Nur einen winzigen Moment erstarrten wir beide in schier ehrfürchtigem Schweigen. Dann hüpfte meine Mann in einem nie gesehenem Veitstanz von einem Bein aufs andere, versuchte, die Maus durch verzweifeltes Schütteln seines Beines aus seiner Hose zu entfernen. Doch die Maus blieb.

Und ich? Ich saß auf der Treppe und lachte zuerst einmal aus vollem Hals. Kein Fernsehstück hätte mir je so einen komischen Anblick bieten können. Dann fiel mir ein, dass dies eine recht praktische Situation war.

„Bring sie raus!“ rief ich ein ums andere Mal.

„Mach du das doch“, gab mein Mann eher atemlos und sich immer noch schüttelnd zurück. „Weißt du, was das für ein Gefühl ist?“

Mäuslein war es leid. Ehe das kleine Kerlchen durch die Schüttelei eine Gehirnerschütterung bekam, rutschte es aus dem Hosenbein meines Mannes heraus und ergriff die Flucht.

Unser ungebetener kleiner Gast verließ unser Haus so, wie es sich gehörte – durch die weit geöffnete Haustür.

Für einen Moment waren wir sprachlos und noch einmal erstarrt – diesmal vor Erleichterung. Nur Piccolina war nicht begeistert von der augenscheinlichen Missachtung ihres Geschenkes. Mit langen Katzenbeinen stürmte sie knurrend hinter dem Mäuslein her.

Mir blieb nur eines: „Neiiin! Piccolina lass das! Mäuslein laaaaaauuuf!”

Ach ja.


Copyright
DWK
16.11.06


Wer weiß, vielleicht ist unser Mäuslein ja auch in Nachbars Garten gerannt...


Habt Spaß!

Lanonna
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Se tu cerchi un paradiso - il paradiso è questo qua... (aus: Scugnizza von Mario Costa)





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Alt 06.04.2007, 22:19   #2
robo:t
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robo:t ist ein sehr geschätzer Menschrobo:t ist ein sehr geschätzer Menschrobo:t ist ein sehr geschätzer Menschrobo:t ist ein sehr geschätzer Mensch
AW: Das Mausgeschenk
Wieder einmal herzerfrischend. Ein Thriller, diese wilde Jagd mit dem glücklichen Ende ...
Dein Stil erinnert mich ein wenig an "Erma Bombeck" ... "Als meine Fehler laufen lernten" / "Nur der Pudding hört mein Seufzen" / "Hilfe, ich habe Urlaub" / "Mit Fünfen ist man kinderreich" u.s.w.

Deshalb würde ich dir gerne das folgende Banner verehren ... wenn du möchtest benutze es, ansonsten lass es in der Versenkung verschwinden.


liebe Grüsse
Rolf
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Geändert von robo:t (06.04.2007 um 22:25 Uhr).
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Alt 07.04.2007, 01:10   #3
lanonna
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lanonna ist ein sehr geschätzer Menschlanonna ist ein sehr geschätzer Menschlanonna ist ein sehr geschätzer Menschlanonna ist ein sehr geschätzer Mensch
AW: Das Mausgeschenk
Lieber Robot,

das Banner ist zauberhaft, und es ehrt mich sehr. Jetzt muss ich nur noch lernen, wie ich es benutzen kann. Ich werde Papili fragen. Das ist meine bessere Hälfte, mein bestes Stück, mein Techniker und mein Zauberer. Wenn er nicht weiter kommt, dann hilf mir bitte du.

Ha,da habe ich schon eine erste Erklärung bekommen und starte einen Versuch:

http://youngbones.nef-design.de/webb.../lanonna01.gif

Nee, das funktioniert irgendwie nicht!

Hiiiilfe! Und lieben Dank

Lanonna
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